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Von einem der das erste Mal auf eine Bühne ging und einen Speaker Award gewann

  • Autorenbild: Antje
    Antje
  • 11. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Apr.


Als ich Philipp zum ersten Mal traf, waren es noch 21 Tage bis zu seinem ersten großen Auftritt. Eine Bühne, grelles Licht, ein Saal voller Entscheider aus dem Mittelstand – und mittendrin ein junger Geschäftsführer, der erst seit einem Jahr in Verantwortung war. Digitalisierung lautete das Thema. Ein Wort, das in deutschen Unternehmen gleichermaßen Hoffnung wie Erschöpfung auslöst.

Philipp kam gut vorbereitet. Er hatte Statistiken dabei, Studien, Zitate von Vordenkern. Er sprach über Effizienz, Prozesse, Wettbewerbsfähigkeit. Seine Argumente waren klar, seine Folien durchdacht. Man merkte: Er wollte überzeugen. Vielleicht sogar beeindrucken.

Dann stellte ich ihm die Frage, die ich jedem stelle. Die Präsentationsdramaturgie-Frage Nummer eins:

Der Vortrag ist vorbei. Was ist danach anders?

Er schwieg.

Denn diese Frage zielt nicht auf Inhalte, sondern auf Wirkung. Nicht auf das Gesagte, sondern auf das Veränderte. Was genau soll sich im Denken der Menschen verschieben? Welche Entscheidung sollen sie treffen, welchen Mut fassen, welches Risiko eingehen?

Philipp begann zu sortieren. Vielleicht, sagte er, verstehen die Leute Digitalisierung danach besser. Vielleicht fühlen sie sich motivierter. Vielleicht haben sie weniger Angst.

Vielleicht.

Also setzte ich nach. Die zweite Frage, noch unbequemer:

Was sollen die Menschen konkret tun – oder unterlassen –, wenn du gesprochen hast?

Wieder Stille.

In einer Messesituation, argumentierte er, könne man doch nicht viel erwarten. Man könne hoffen, dass sie bleiben. Dass sie zuhören. Vielleicht klatschen. Vielleicht später eine Visitenkarte dalassen. Vielleicht.

Aber wollte er Applaus – oder Veränderung?Wollte er gefallen – oder führen?Wollte er eingeladen werden – oder etwas in Bewegung setzen? Und wenn Letzteres: Was genau?

Diese Fragen kippten sein Konzept. Plötzlich reichten keine klugen Argumente mehr. Es ging nicht mehr um das „Was“, sondern um das „Wozu“. Nicht mehr um Digitalisierung als Schlagwort, sondern um eine Zumutung: Wer nach seinem Vortrag weitermachte wie bisher, hatte ihn nicht verstanden.

Wir trafen uns drei Mal. Drei intensive Termine. Wir strichen die Hälfte seiner Folien. Wir warfen ganze Passagen über Bord. Wir suchten nach einem einzigen klaren Satz, der hängenbleiben durfte. Er übte, kürzer zu sprechen. Präziser. Mutiger. Er lernte, Pausen auszuhalten. Und er lernte, dass eine gute Präsentation nicht informiert, sondern entscheidet.

Am Ende stand kein Feuerwerk aus Buzzwords, sondern eine Einladung: Beginnen Sie morgen mit einem Pilotprojekt. Nicht nächstes Jahr. Nicht nach der nächsten Budgetrunde. Morgen.

Der Vortrag war nicht laut. Dafür sher klar.

Und als er 21 Tage später von der Bühne ging, war tatsächlich etwas anders. Menschen kamen nicht nur zum Gratulieren. Sie stellten konkrete Fragen. Sie wollten Termine. Sie wollten beginnen.

Am Ende gewann Philipp den Speaker Award.

Herzlichen Glückwunsch.


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